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Der letzte Drache (K)
Porzellan-Staub (K)
Der Schwan (V)
Dämonenjagd (K)
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Der Drache Xandrophar ist der letzte seiner Art, schier unbesiegbar, listig und bösartig, eine mörderische Bestie. Doch ein uralter Fluch verheißt seinen Tod. Ein Fluch, der die Schicksale und Leben der Menschen im Königreich Gewania miteinander verknüpft:
Deone, die jungfräuliche Priesterin, die eines schreckliches Sakrilegs bezichtigt und des Tempels der Göttin Astara verwiesen wird. Astarion, der Waffenschmied, der die Stimme der Göttin hört und einen schrecklichen Fehler begeht, als er den Worten einen Sterbenden Glauben schenkt und sich aufmacht, um den Drachen zu stellen. Delia, eine junge Frau, die durch den Drachen ihre Eltern verliert und nicht nur einen neuen Vater findet, sondern auch die Magie entdeckt. Endor, der Mönch, der eigentlich ein Zauberer ist und im Bestreben das Schicksal zu schmieden die eigentliche Macht des Schicksals verkennt. Dergon, der König Gewanias, der das Land und seine Tochter beschützen will und beides nicht vermag.
In dem Dorf Yigoora wachsen Delia und Astarion auf und werden ein Liebespaar. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer. Der Drache vernichtet das Dorf und beide verlieren ihre Familien. Während Astarion dem Drachen in das Land Morgdwor folgt, macht sich Delia unter dem neuen Namen Daimira Drachentochter auf den Weg nach Ilkarath und begegnet Dergon, ihrem Vater und König. Sie beginnt die Macht des Fluchs, der Prophezeiung, zu spüren, die ihre Mutter und ihren Vater zusammengeführt hatte. Während sie in Ilkarath das Leben einer Prinzessin führt, trifft Astarion auf Larissa und macht sich mit ihr auf den Weg in das Land des Drachen, wo er ihn schließlich stellt und den Tod findet. Derweil macht Daimira die Bekanntschaft des Mannes, der ihr Lehrmeister wird. Es ist Dergons Berater, der Mönch, der versucht den Fluch zu erfüllen, indem er den Verlauf der Ereignisse manipuliert. Er macht aus Daimira eine Zauberin, obwohl er kaum noch an die Erfüllung des Fluches glaubt. Doch dann gelangt das von Astarion geschmiedete Schwert, das Drachenschwert des Fluchs, in seine Hände und er macht sich auf den Weg nach Morgdwor, um Xandrophar endlich zu besiegen. Aber Daimira, die ihre Liebe für den Zauberer entdeckt hat, folgt ihm, um ihn zu retten. Letztendlich ist sie es, die auf unerwartete Weise den Drachen zur Strecke bringt und das Reich und ihren Geliebten rettet.

Zum_Seitenanfang © 2003 by C. Hüsing Zum_Seitenende

Als Vincents Frau stirbt, glaubt er, dass nie wieder jemand oder etwas die Leere in seinem Leben zu füllen vermag. Alles hinter sich lassend, zieht er in das kleine Küstenstädtchen Seal Cove, um wieder zu sich selbst zu finden.
Obwohl sich seine Nachbarn, Max und Maggie, rührend um ihn kümmern, wird die Trauer so mächtig, dass er sie in Alkohol zu ertränken versucht.
Als Vincent beinahe am Ende seiner Kräfte ist, geschehen plötzlich seltsame Dinge um ihn herum, die ihn zu neuem Leben erwecken. Eine Rose, die jemand auf seinem Küchentisch legt. Die Stimme einer Frau, die im Bad singt. Eine Porzellanfigur, die in Vincents Träumen zum Leben erwacht.
Und dann ist da Catherine, die schöne, junge Frau, in die er sich verliebt. Aber Catherine scheint von einem düsteren Geheimnis umgeben zu sein, in das auch Max und Maggie verwickelt sind, das ihr Glück zu zerstören droht.

Erst als Vincent Monate später Seal Cove verlässt, erkennt er, dass seine Liebe zu Catherine und ihr Geheimnis untrennbar miteinander verbunden sind.

Zum_Seitenanfang © 2003 by C. Hüsing Zum_Seitenende

Sie wusste, dass der junge Kellner sie anstarrte, aber sie nahm es ihm nicht übel. Er sah sie zum ersten Mal und jeder, der sie zum ersten Mal sah, starrte sie an. Sie hatte sich daran gewöhnt. Wer konnte es ihnen schon verdenken? Menschen waren immer fasziniert von der Abnormität.
Sie machte sich nicht die Mühe dem Kellner einen freundlichen Blick zu schenken. Das hätte ihn nur in Verlegenheit gebracht. Dennoch bekundeten seine schüchternen Blicke unverhohlenes Interesse. Natürlich! Er war fasziniert von ihrer Hässlichkeit! Sie seufzte.
Ja, sie war hässlich! Daran war nichts zu ändern! Sie war groß und mager, hatte lange, dünne, krumme Beine und knochige Hüften. Ihre Schultern hingen nach vorne und ihre Brüste waren winzig. Ihr Haar war struppig und ohne Glanz, die Augen hinter den dicken Brillengläsern ohne Farbe. Ihre Lippen waren dünn und verkniffen und ihre Zähne waren nie von einer Zahnspange korrigiert worden. Sie war hässlich! Es gab keinen Zweifel! Das einzig unauffällige an ihr waren die schlichten, farblosen Kleider.

Als ihre Mutter noch lebte, hatte sie den Spott leicht ertragen. Wieder und wieder hatte ihre Mutter ihr jenes Märchen vom hässlichen Entlein erzählt, aus dem ein schöner Schwan geworden war. Doch dann war ihre Mutter gestorben und mit ihr das Märchen. Das College war die Hölle gewesen. In ihrer Erinnerung eine Zeit voller Einsamkeit. Ohne Freunde. Nur Spott und Bösartigkeit. Und manchmal hatte sie ihre Mutter gehasst, weil das Märchen niemals wahr geworden war.

"Wünschen Sie noch etwas, Madam?"
Der Kellner stand an ihrem Tisch und riss sie aus ihren Gedanken. Sie war verwirrt.
"Ja, bitte! Einen Kaffee", sagte sie leise, ohne den Mann anzusehen. Es schüchterte sie ein mit jemandem zu reden, der sie ansah.
"Madam!" Er sah sie ein wenig ängstlich an. "Sind Sie Miss Leonard?"
"Ja!" Sie erwiderte verwirrt seinen Blick.
"Ich soll ihnen Grüße von meinem Vater ausrichten! Ich bin Vincent, Sams Sohn!"
Erst jetzt fiel ihr seine Ähnlichkeit mit Big Sam auf, dem das Big Pie Café gehörte.
"Krank? Das tut mir leid!"
Sams Sohn konnte nicht wissen, wie leid. Big Sam war ihr einziger Freund. Auch wenn es nur daran lag, dass er beinahe ein alter Mann war, für den Schönheit nichts mehr bedeutete. Sie war hässlich, doch Sam war das ganz gleich. Er hatte das Märchen wieder zum Leben erweckt, als glaubte er fest daran, dass es doch eines Tages wahr werden würde.
"Madam, ich glaube, mein Vater hält sehr viel von ihnen!" Vincent räusperte sich verlegen. "Ich lasse Sie wohl besser allein! Sie warten sicher auf jemanden!" Dann eilte er zur Theke zurück.

Sie wäre selbst gerne fortgelaufen, doch sie wollte nicht feige sein. So lange hatte sie auf diesen Tag gewartet. Nervös suchte sie in ihrer Tasche nach dem Zigarettenetui und zündete sich mit zitternden Fingern eine Zigarette an. Es war die dritte Zigarette ihres jungen Lebens. Sie hatte große Angst vor dem Treffen, das unter so sonderbaren Umständen zustande gekommen war. Aber vielleicht war es Schicksal.
Vielleicht war es auch Schicksal gewesen, dass sie angefangen hatte bei dem kleinen Radiosender zu arbeiten.
Sie hatte ihren Collegeabschluss mit Auszeichnung gemacht und das Studium der Publizistik glänzend absolviert. Sie hatte immer als Redakteurin bei einer großen Zeitung arbeiten wollen und es fehlte ihr nicht an der nötigen Qualifikation, doch offenbar war neben guten Leistungen auch gutes Aussehen gefragt. Schon bald hatte sie die traurige Erfahrung machen müssen, dass Schönheit wichtiger war als ein Abschlussdiplom mit Auszeichnung. Sam hatte ein offenes Ohr für ihre Sorgen gehabt und ihr schließlich geraten:
"Gehen Sie zum Radio, Kindchen! Sie haben eine schöne Stimme! Wer Sie nicht sehen möchte, will Sie vielleicht hören!"
Und sie war wirklich glücklich bei dem Sender, der 5th-Ave-Radio-Station. Der Redakteur, der sie eingestellt hatte, war ein mürrischer, alter Mann, der ihr unverblümt gesagt hatte, was er von ihrem Aussehen hielt. Doch wenigstens hatte er ihre Leistungen zu würdigen gewusst und ihr eine eigene Sendung gegeben. Die lief zwischen zehn Uhr abends und sechs Uhr morgens, wenn die Straßen leer waren und die meisten Menschen schliefen. Sie fühlte sich in der Dunkelheit des verwaisten Studios zu Hause und die Menschen, die sie dort anriefen, waren fast wie eine Familie für sie. Die Sendung war eine Mischung aus Hotline und Hitparade. Viele Menschen riefen dort an. Manche wünschten sich Songs, andere richteten nur Grüße aus. Und einige, nicht wenige riefen an, um zu reden. Sie wusste, dass ihre Einsamkeit sie mit ihnen verband. Ihr Redakteur war über ihren Erfolg ebenso überrascht wie sie selber.
"Wissen Sie", hatte er gesagt. "Ich habe Sie eingestellt, weil ich Mitleid mit ihnen hatte, meine Liebe. Aber nun bin ich froh, dass ich Sie habe. Die Einschaltquoten steigen. Aber das ist es nicht! Sie machen die Menschen glücklich! Ich weiß nicht, wie Sie es anstellen, Lady, aber machen Sie weiter!"
Manchmal nahm sie die Mitschnitte der Sendungen mit nach Hause und hörte sie sich an. Würden die nächtlichen Anrufer sie auch mögen, wenn sie sie sahen?
Mittlerweile kannte sie die Stimmen ihrer Anrufer und die Namen, die zu den Stimmen gehörten: Jeremy, der Taxifahrer. Lukas, der Nachtportier. Andrea, Michael, Donald, Louis. Manchmal riefen so viele an, dass sie nur ein paar Minuten für jeden hatte. Alle wollten reden. Über ihre Freude und ihren Schmerz.
Es gab einen Mann ohne Namen, der sie jede beinahe Nacht anrief. Sie hatte bemerkt, dass er das meist zu einer Zeit tat, zu der das Telefon still stand und die Leitung frei war. Sie unterhielten sich lange. Er lobte ihre Arbeit, fragte sie nach ihrem Leben, ihrer Familie. Sie erzählte ihm all das, was sie noch nie keinem erzählt hatte. Sie merkte nicht, dass er nie über sich selbst sprach, denn ihre Gespräche waren vielseitig und sie fühlte, dass sie Freunde waren. Von all ihren Anrufern war er der Außergewöhnlichste.

Sie seufzte und sah auf die Uhr über der Theke. Es war noch früh. Big Sams Sohn lächelte zu ihr herüber. Dann nickte er in Richtung der Music Box. Sie lächelte zurück und das Lächeln machte ihr Gesicht fast hübsch. Die Musik war leise. Es war ein altes Lied von Doris Day. Que sera, sera? Eines der Lieder, die sie oft in ihrer Sendung spielte. Sie liebte diese alten Songs, die so wunderbar in das Café passten.
Nachdenklich rührte sie in ihrem Kaffee und ihr Blick fiel auf ihre Hände. Grazile Hände mit langen, schmalen Fingern. Ob er kommen würde? Sie griff in ihre Tasche und zog das Demoband hervor, das sie gestern aufgenommen hatte. Sie hatte es sich so oft angehört, dass sie es fast auswendig kannte. Gestern hatte er wieder angerufen.

"Hallo!" So meldete er sich immer.
"Wie geht es ihnen, fremder Mann?" hatte sie gefragt.
"Ich habe ihre Sendung gehört!"
"Das freut mich!"
"Ich mag die Musik, die Sie spielen! - Können Sie auch singen?"
"Ja!"
"Singen Sie doch bitte etwas für mich", hatte er sie gebeten.
"Gern!"
Niemand hatte sie hören können und sie hatte gern für ihn gesungen. Es war ein melancholisches Liebeslied gewesen und nach einigen Minuten des Schweigens hatte er gesagt: "Das war wunderschön! Sie haben es selbst geschrieben! Nicht wahr?"
"Ja! Woher haben Sie das gewusst?"
"Nur jemand wie Sie kann etwas so Schönes erschaffen!"
"Finden Sie?"
"Ja! Es offenbart ihre Schönheit, fasst sie in Worte und hüllt Sie in eine Melodie!"
"Aber ich bin nicht schön", hatte sie erwidert. "Ich bin sogar sehr hässlich! Deshalb arbeite ich im Sender, wo niemand mich sehen kann!"
"Die Schönheit ihrer Seele und ihrer Gefühle strahlt so hell, dass niemand Sie hässlich finden könnte!"
"Doch! So ist es leider!"
Sie hatte Mühe gehabt, die Tränen zurück zu halten.
"Weinen Sie nicht! Bitte", hatte er gesagt.
"Nein!"
"Ihre Stimme ist wunderschön!"
"Sie ist wohl das einzig Schöne an mir!"
"Nein! Nein! Da ist noch so viel mehr. Das Glück, das Sie den Menschen geben, obwohl Sie sie nicht kennen. Das Verständnis. Sie nehmen ihnen die Leere und die Einsamkeit. Sie sind für sie da!"
"Ja, ich gebe ihnen Kochrezepte und diskutiere mit ihnen über Politik!"
"Nein, Sie geben ihnen Hoffnung", hatte er widersprochen. "Ja, das tun Sie!"
"Vielleicht tue ich das. Aber, es ist meine Arbeit!"
"Sie sind der Grund dafür, dass Sie nicht alleine sind!"
Er hatte eine Weile geschwiegen und dann gefragt: "Wollen Sie mir das Vergnügen machen Sie zu treffen?"
"Nein!" Ihre Antwort hatte wie ein angsterfüllter Schrei geklungen.
"Bitte!"
"Nein! Ich kann nicht! Wenn Sie mich sehen, dann...!"
"Bitte! Ich werde Sie in dem kleinen Café treffen! In Big Sam's Café. Da gehen Sie doch immer hin, nicht wahr?"
"Ja! Ja! Woher wissen Sie das?"
"Wollen Sie?"
"Sie werden mich abstoßend finden!"
"Ich verspreche ihnen, dass das nicht der Fall sein wird!"
"Ich werde morgen um drei Uhr da sein!"
"Schön!"
Dann hatte er aufgelegte und sie hatte einen alten Song von Louis Armstrong gespielt.

Immer noch umklammerte sie das Demoband mit aller Kraft. Sie hatte furchtbare Angst, aber irgendwie war sie auch glücklich.
"Roxanne?"
Sie fuhr zusammen. Allen Mut musste sie zusammennehmen, um den Mann anzusehen, dessen Stimme ihr so vertraut war. "Hallo, fremder Mann!"
Er war hoch gewachsen und irgendwie ohne Alter. Seine Augen waren blau und sein Haar an den Schläfen ergraut. Er trug Jeans, einen grünen Pullover und Turnschuhe. Er war nicht schön, doch für sie war er der schönste Mann, den sie je gesehen hatte. Ihr fiel auf, dass die Leute im Café ihn ansahen, als wäre ein Spotlight auf ihn gerichtet und vielleicht umgab ihn wirklich eine Art Glanz. Er legte eine Rose auf den Tisch.
"Ich freue mich Sie zu sehen, Roxanne!"
"Bitte, setzen Sie sich!"
Sie blickte unsicher auf das Tischtuch und erst jetzt bemerkte sie die Kaffeeflecken und die Krümel.
"Warum sehen Sie mich nicht an, Roxanne?"
Sie hob den Blick und versuchte zu lächeln. "Sehen Sie mich an, fremder Mann! Glauben Sie noch immer, dass ich schön bin?"
Er erwiderte nichts. Stattdessen näherte sich seine Hand langsam ihrem Gesicht und dann nahm er die Brille fort.
"Ihre Augen sind vom schönsten Blau, das ich je sah und ihre Wimpern verleihen ihnen eine wundervolle Tiefe!" Er strich über ihr Haar und fuhr mit sanfter Stimme fort: "Ihr Haar hat den sanften Schimmer von Seide und seine Farbe erinnert mich an geschmolzenes Gold!" Er berührte ihre Lippen mit den Fingerspitzen und sagte leise: "Ihr Mund ist so lieblich! Was könnten diese Lippen anderes hervorbringen als schöne Worte, denn ihre Stimme ist wie der sanfte Klang des Windes am Abend!" Er lächelte sie an, dann stand er auf und ihr Blick folgte ihm bis zu der Music Box. Er warf eine Münze hinein, wandte sich zu ihr um und die Geste seiner Hände rief sie zu ihm hin.
Sie erhob sich.
"Tanzen Sie mit mir, Roxanne!"
Er ergriff ihre Hände und wie von einem Zauber verhext begann sie tatsächlich mit ihm zu tanzen. Was geschah nur mit ihr? Sie kam sich ein wenig albern vor.
"Alle sehen uns an! Sie sehen ein hässliches Mädchen und einen schönen Mann, die in einem Café tanzen wie zwei verrückte Teenager!"
"Nein, Roxanne! Alle sehen nur ihre wunderbare Schönheit!"
"Meine Schönheit?" Irritiert sah sie sich um. Tatsächlich. Die alte Frau am Nebentisch, der Fensterputzer auf der Straße, die Jugendlichen an der Theke und Sams Sohn. Alle sahen sie an. Und sie fühlte sich nackt. "Fremder Mann, ich bin nicht schön!"
"Ihre Schönheit kommt aus ihrem Innern, Roxanne!"

"Madam?" hörte sie jemanden sagen.
Erschrocken fuhr sie zusammen. Sie tanzte nicht. Sie saß an ihrem Tisch. Sams Sohn starrte sie an. Hatte sie geträumt? Ihr Blick fiel auf die rote Rose auf dem Tisch.
"Warum sehen Sie mich so an?"
"Ich... ich...!" stammelte er. "Sie sind so wunderschön!"
"Nein", rief sie beinahe hysterisch.
Hastig warf sie ein paar Münzen auf den Tisch und rannte hinaus. Sie rannte und rannte, bis sie beim Sender war. Der Sender war ihr Zuhause. Niemand würde sich da über sie lustig machen und sie quälen.
Sie hastete durch die Gänge des Senders und schlug die Tür zum Studio hinter sich zu und atmete auf.
"Roxanne?" Der Redakteur steckte den Kopf zur Tür herein. "Ist etwas nicht in Ordnung? Warum...?" Er starrte sie verblüfft an, öffnete die Tür und kam herein.
"Was haben Sie?" fragte sie ihn.
", Roxanne, Sie sind wunderschön! Habe ich Ihnen das je gesagt?"
Sie sprang auf und brach in Tränen aus. "Warum tut ihr mir das an. Ich war mein Leben lang hässlich! Und ich bin es noch immer!"
"Aber, Roxanne, sehen Sie!"
Er drehte sie zu den schwarz getönten Scheiben des Studios um und sie betrachtete zögernd ihr Spiegelbild darin. Sie erkannte sich dort in der spiegelnden Scheibe. Das war sie. Roxanne. Und sie war schön. Sie war schön.
"Bin das ich?" fragte sie. "Sehen Sie mich? Bin ich das?"
"Ich sehe ein Wunder, Roxanne." sagte er. "Ich sehe, dass ich sie verlieren werde, denn wenn aus hässlichen Entlein über Nacht schöne Schwäne werden, dann schwimmen sie davon!"
"Ich habe mich verändert", stellte sie ungläubig fest.
"Ja, das haben Sie!"
"Ich träume das alles!" flüsterte sie.
Sie betrachtete erneut ihr Spiegelbild. Was war in Sam's Café geschehen? Nachdenklich hob sie die rote Rose und atmete ihren Duft ein. Sie konnte die Rose riechen, sie fühlen und sehen. Es war kein Traum. Wie war das möglich? Sie war hässlich gewesen und nun war sie schön.
Ihr Redakteur räusperte sich verlegen. "Vielleicht waren Sie schon immer schön und groß und schlank und niemand hat es bemerkt!"
"Oh, nein! Märchen erfüllen sich nicht nur deshalb, weil man den Glauben daran verloren hat", widersprach sie.
"Das Märchen vom hässlichen Entlein?" fragte er.
"Aber, warum ist es mir passiert? Warum passiert mir ein Wunder?"
"Fragen Sie den fremden Mann, Roxanne! Aber fragen Sie nicht, warum es geschehen ist. Ein Wunder kommt eben manchmal daher. Aber es kann genauso schnell wieder verschwinden!"

"Es ist Zeit für nette Plaudereien und gute Musik, Freunde! Roxanne ist wieder für eine lange Nacht auf Sendung. Und hier ist ein Song für euch!"
Sie legte eine Platte auf und spielte It's a Kind of Magic.
"Und dieser Song ist all denen gewidmet, die den Glauben an Wunder noch nicht verloren haben. Heute ist die Nacht der phantastischen Geschichten. Wer hat ein Wunder erlebt oder wartet auf eines? Ich warte auf eure Anrufe, Freunde."
Dann klingelte das Telefon.
"Hallo, Roxanne!"
"Hallo, fremder Mann! Roxanne ist wieder auf Sendung! Ich danke ihnen!"
"Sie klingen glücklich, stolzer Schwan! Ist ihr Märchen wahr geworden?"
"Ja, fremder Mann, das ist es!"
"Leben Sie wohl, Roxanne!"

Der fremde Mann rief nie wieder an.

Zum_Seitenanfang © 2003 by C. Hüsing Zum_Seitenende

Als Danion Dunkelwald verlässt, um endlich das langweilige Leben in der Einöde hinter sich zu lassen und herauszufinden, woher er stammt, ahnt er nicht, welche Ereignisse er damit in Gang setzt. Doch sein Ziehvater Zacharias weiß, was geschehen wird, denn Danion besitzt das "Drachenauge", eines der drei magischen Amulette, die vor langer Zeit zum Schutz gegen einen mächtigen Magierkönig geschaffen worden waren.
In einer Herberge trifft Danion auf Arathon, der, wie sich herausstellt, Hauptmann der königlichen Garde von Gewania ist. Er nimmt ihn mit nach Nautica und als Gast in sein Haus auf. Danion ahnt zunächst nicht, dass Arathon mehr ist als ein uneigennütziger Weggefährte. Doch die seltsamen Geschehnisse und auch die unbeantworteten Fragen häufen sich. Warum halten Danion alle für einen Barbaren aus dem Norden? Aus welchem Grund scheint Arathon ihm zu misstrauen und ihn zu beobachten? Weshalb versucht man Danion zu töten? Was hat es mit dem Amulett auf sich, das seiner Mutter gehörte? Und woher kommen die erschreckenden Zauberkräfte, über die Danion plötzlich gebietet?

Es dauert nicht lange, bis Danion erkennt, dass die Antworten auf all diese Fragen im Land der Barbaren zu finden sind oder bei dem Barbarenkrieger, der versucht hat, ihn zu töten.
Von Hawk erfährt Danion, dass er der Enkel des Magierkönigs Xerxes ist, der mit der pervertierten Magie der drei Amulette Tod und Verderben über Gewania gebracht hat. In ihm findet Danion einen Freund und Verbündeten, ausgerechnet an dem Tag, als Xerxes Schergen auf der Suche nach dem Drachenauge Arathons Haus überfallen, fast alle töten und seine Ziehtochter entführen. Es ist derselbe Tag, an dem Danion erfährt, dass Arathon sein Vater ist und Zacharias Dragon, einer der drei Magierkönige des Landes der Barbaren, der vor langer Zeit vor Xerxes nach Gewania geflohen war.

Gemeinsam mit Hawk, Dragon, dem Pegarier Salima, dem Zwerg Bero, Arathons Knappen Rastan und König Dergon schmieden sie einen Plan, um Xerxes und die drei Amulette endgültig zu vernichten.
Danion macht sich zusammen mit Rastan auf den Weg in das Land im Norden und quartiert sich bei Seyra ein, die ihnen während ihrer Reise begegnet. Doch in Xeria angekommen, stellt sich heraus, dass nichts so kommt, wie sie es geplant hatten. Obwohl sie Verbündete finden, müssen sie erkennen, dass sie gegen einen Feind antreten, der mächtiger, gefährlicher und tödlicher ist, als sie es sich je vorgestellt hätten. Und es bedarf mehr als eines Abenteurers, einiger Zauberer und Krieger, um jenen Feind zur Strecke zu bringen, als dessen dämonische Macht entfesselt ist.

Erst als es Danion gelingt, die Mächte der Magie und die vereinten Heere ihrer Verbündeten um sich zu versammeln, kann der Feind zur Strecke gebracht, Gewania und das Land der Barbaren von der dunklen Bedrohung befreit werden.

Doch zum Frieden ist es selbst nach ihrem Sieg noch ein langer Weg voller tödlicher Gefahren.

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